Ich habe das Kleid für die Abschlussfeier meiner Tochter aus den letzten kostbaren Besitztümern genäht, die meine verstorbene Frau hinterlassen hatte. Als eine wohlhabende Mutter uns vor der gesamten Turnhalle auslachte, ahnte sie nicht, dass sich das Blatt in einem Moment gegen sie wenden würde, mit dem niemand gerechnet hätte.
Meine Frau Johanna verstarb vor zwei Jahren.
Der Krebs holte sie schnell und erbarmungslos. In einem Moment diskutierten wir noch darüber, ob die Küchenschränke weiß oder blau gestrichen werden sollten. Nur sechs Monate später saß ich um zwei Uhr morgens an einem Krankenhausbett, hörte dem stetigen Piepen der medizinischen Geräte zu, während ich ihre Hand hielt und auf mehr Zeit hoffte, die niemals kam. Nach ihrem Tod erinnerte mich jeder Winkel des Hauses an sie – die Art, wie sie lachte, das leise Summen, das sie beim Kochen von sich gab.
Aber ich konnte nicht völlig zusammenbrechen. Denn ich hatte noch Leni.
Sie war erst vier, als ihre Mutter starb. Jetzt ist sie sechs und hat sich irgendwie zu dem süßesten kleinen Mädchen entwickelt, das ich kenne. An manchen Tagen erinnert mich ihr Lächeln so stark an Johanna, dass es fast wehtut. Seit Johanna von uns gegangen ist, sind wir nur noch zu zweit. Ich arbeite als Monteur für Heizungs- und Klimaanlagen. In den meisten Monaten deckt der Lohn unsere Rechnungen – gerade so. In manchen Wochen übernehme ich Doppelschichten und versuche, nicht an den Stapel unbezahlter Umschläge auf der Küchenanrichte zu denken.
Die Rechnungen schienen endlos. Sobald ich eine bezahlt hatte, tauchte eine andere auf. Das Geld war immer knapp. Dennoch hat Leni sich nie beklagt.
Eines Nachmittags stürmte sie nach der Schule durch die Haustür, ihr Ranzen hüpfte auf ihrem Rücken. „Papa! Stell dir vor!“ „Was ist denn los?“, fragte ich. „Der Kindergarten-Abschluss ist nächsten Freitag! Wir müssen uns schick anziehen!“, sagte sie aufgeregt. Dann fügte sie leise hinzu: „Alle bekommen neue Kleider.“ Ich lächelte, obwohl sich in meiner Brust ein Knoten bildete.
In jener Nacht, nachdem sie eingeschlafen war, prüfte ich meinen Kontostand auf dem Handy und starrte die Zahlen lange Zeit an. Ein neues Kleid zu kaufen, war schlichtweg unmöglich.
Dann erinnerte ich mich an den Karton. Johanna liebte es, seidene Taschentücher zu sammeln. Wann immer wir verreisten, suchte sie in kleinen Läden nach ihnen – leuchtende Farben, zarte Stickereien, Blumenmuster. Sie bewahrte sie sorgfältig gefaltet in einer Holzkiste in unserem Schrank auf. Seit ihrem Tod hatte ich sie nicht angerührt. Bis zu dieser Nacht.



















































