Geschieden. Mein Mann warf mir mit einem verächtlichen Blick ein altes Kissen hinterher – doch als ich es öffnete, um es zu waschen, erstarrte ich bei dem, was ich darin fand…
Lukas und ich waren fünf Jahre lang verheiratet. Vom ersten Tag an, an dem ich seine Frau wurde, gewöhnte ich mich an seine kalten Worte und distanzierten Blicke. Lukas war nie gewalttätig, er schrie nie – aber seine Gleichgültigkeit ließ mein Herz jeden Tag ein Stück mehr verwelken.
Nach der Hochzeit lebten wir bei seinen Eltern in einem Vorort von Berlin. Jeden Morgen stand ich früh auf, um zu kochen, zu waschen und zu putzen. Jeden Abend saß ich da und wartete auf ihn, nur um dieselben Worte zu hören: — „Ich habe schon gegessen.“ Oft fragte ich mich, ob verheiratet zu sein sich überhaupt vom Leben eines Untermieters unterschied. Ich versuchte, etwas aufzubauen, versuchte ihn zu lieben, aber alles, was ich zurückbekam, war eine unsichtbare Leere, die ich nicht füllen konnte.
Dann, eines Tages, kam Lukas mit demselben ausdruckslosen Gesicht nach Hause. Er setzte sich mir gegenüber, reichte mir die Scheidungspapiere und sagte emotionslos: — „Unterschreib sie. Ich will unser beider Zeit nicht länger verschwenden.“ Ich erstarrte. Meine Augen füllten sich mit Tränen, als ich den Stift mit zitternden Händen nahm. Erinnerungen schossen durch mich hindurch – Nächte, in denen ich darauf wartete, dass er nach Hause kam, kalt gewordenes Abendessen, die Male, in denen ich krank und allein wach lag, während er fest neben mir schlief. Jede Erinnerung schmerzte tiefer als die letzte.
Nach der Unterschrift begann ich, meine Sachen zu packen. Es gab fast nichts in diesem Haus, das wirklich mir gehörte – nur ein paar Kleider und ein altes Kissen, mit dem ich immer schlief. Als ich gerade mit meinem Koffer hinausgehen wollte, warf Lukas mir das Kissen mit einem sarkastischen Grinsen hinterher. — „Nimm es mit und wasch es mal. Es fällt wahrscheinlich sowieso schon auseinander.“
Ich drückte das Kissen an meine Brust, meine Kehle schnürte sich zu. Es war alt – der Bezug verblichen und vergilbt, an den Rändern dünn gescheuert. Es war das Kissen, das ich aus dem Haus meiner Mutter aus einer Kleinstadt im Schwarzwald mitgebracht hatte, als ich für das Studium in die Großstadt gezogen war. Ich hatte es sogar nach der Hochzeit behalten, weil ich ohne es nicht schlafen konnte. Lukas hatte sich einmal darüber beschwert, aber das war mir egal gewesen. Ich verließ das Haus schweigend.
In meinem kleinen gemieteten Zimmer saß ich wie betäubt da und starrte das Kissen an. Ich dachte an seine grausamen Worte und beschloss, es zu waschen – zumindest sollte es sauber sein, und vielleicht könnte ich in dieser Nacht ohne Schmerzträume schlafen. Doch als ich den Reißverschluss öffnete, fühlte sich etwas seltsam an. Da war ein harter Klumpen inmitten der weichen Wattefüllung. Ich griff hinein – und erstarrte. Da war ein kleines Bündel Papier, sorgfältig in eine Plastiktüte gewickelt. Meine Hände zitterten, als ich es öffnete. Darin befand sich ein Stapel 100-Euro-Scheine – und ein gefaltetes Blatt Papier. Es war die Handschrift meiner Mutter.
„Meine liebe Tochter, das ist das Geld, das ich für dich gespart habe, falls du jemals schwere Zeiten durchmachst. Ich habe es in deinem Kissen versteckt, weil ich wusste, dass du vielleicht zu stolz wärst, es anzunehmen, wenn ich es dir direkt gäbe. Egal was passiert, leide nicht wegen eines Mannes, mein Mädchen. Ich liebe dich, immer. — Mama.“
Tränen fielen auf das verblichene Papier. Ich erinnerte mich an meinen Hochzeitstag – wie meine Mutter mir genau dieses Kissen gegeben und gesagt hatte, es sei besonders weich, damit ich gut schlafen würde. Ich hatte damals gelacht und ihr gesagt: „Du wirst sentimental, Mama. Mach dir keine Sorgen – Lukas und ich werden glücklich sein.“ Sie hatte nur gelächelt, ihr Blick distanziert und traurig.


















































