Ich war gerade auf dem Weg zu einer Geschäftsreise, als die Fluggesellschaft die Annullierung bekannt gab. Wetter. Ein mechanisches Problem. Keine klaren Antworten. Genervt, aber auch erleichtert, nahm ich mir ein Taxi nach Hause. Ich dachte mir, ich würde meinen Mann Lukas überraschen. Wir hatten in letzter Zeit nicht viel Zeit füreinander gehabt. Ein ruhiger Abend klang perfekt.
Ich schloss die Tür auf.
Eine Frau stand im Flur und trug meinen Bademantel. Sie sah entspannt aus, das Haar noch feucht, in der Hand eine Tasse aus unserer Küche. Sie lächelte höflich, als wäre ich diejenige, die hier eindrang. „Oh“, sagte sie. „Sie müssen die Maklerin sein, richtig? Mein Mann sagte, Sie würden kommen, um unsere Wohnung zu bewerten.“
Mir wurde flau im Magen, aber mein Gesicht verog keine Miene. „Ja“, hörte ich mich sagen. „Das bin ich.“
Sie trat ohne Argwohn beiseite. „Prima. Er ist gerade unter der Dusche. Schauen Sie sich gerne um.“ Ich ging langsam hinein, mein Herz hämmerte so fest, dass ich Angst hatte, sie könnte es hören. Alles wirkte… bewohnt. Schuhe neben der Couch, die nicht mir gehörten. Eine zweite Zahnbürste im Becher. Frische Blumen auf dem Tisch – Blumen, die Lukas mir kein einziges Mal gekauft hatte. „Schöne Wohnung“, sagte ich und zwang mir einen professionellen Ton auf. „Danke“, antwortete sie herzlich. „Wir sind erst vor ein paar Monaten zusammengezogen.“ Zusammen. Ich nickte und gab vor, das Wohnzimmer zu inspizieren, während meine Gedanken rasten. Wenn ich sie jetzt zur Rede stellte, würde sie schreien. Wenn ich Lukas konfrontierte, würde er lügen. Ich musste wissen, wie weit das hier ging. „Und“, fragte ich beiläufig, „wie lange sind Sie beide schon verheiratet?“ Sie lachte. „Verheiratet? Nein, aber wir sind verlobt. Der Ring wird gerade in der Größe angepasst.“ Der Flur schien sich zu drehen. Sie führte mich in Richtung Schlafzimmer und plauderte über Renovierungspläne. Auf der Kommode stand ein gerahmtes Foto – Lukas und sie am Strand. Datiert vom letzten Sommer. Das war die Zeit, in der er mir erzählt hatte, er sei auf einer Fortbildung. Die Badezimmertür öffnete sich. Dampf quoll heraus. Lukas’ Stimme folgte: „Schatz, hast du schon…“ Er hielt inne, als er mich sah.



















































