Seit mehr als fünfzehn Jahren schliefen Sabine und ich im selben Bett, unter demselben Dach, atmeten dieselbe Luft… aber wir berührten uns nie.
Es gab keine lautstarken Streits. Keine Untreue in der Öffentlichkeit. Keine dramatischen Szenen. Nur einen unsichtbaren Raum zwischen unseren Körpern, so kalt wie der Marmor auf dem Friedhof, auf dem wir unsere Träume begraben hatten. Wir lebten in einem bescheidenen Haus in Quedlinburg, der Sorte Haus, in der Stille zur Routine wird. Nachts lag Sabine auf der linken Seite, immer mit dem Rücken zu mir. Ich knipste das Licht aus, starrte an die Decke und zählte die Sekunden, bis der Schlaf mich endlich holte. Wir überschritten nie diese unausgesprochene Linie, die das Bett in zwei getrennte Welten teilte.
Zuerst dachte ich, es sei Erschöpfung. Dann Gewohnheit. Dann Resignation. Die Nachbarn sagten, wir seien ein friedliches Paar. „Ihr streitet euch nie“, hieß es. „Man merkt, dass ihr euch respektiert.“
Niemand ahnte, dass unser „Respekt“ eine Mauer war. Sabine war keine kalte Frau. Sie kochte mit Hingabe, bügelte meine Hemden, fragte, wie mein Arbeitstag gewesen war. Ich antwortete ihr genauso. Wir funktionierten wie eine alte Uhr: ohne sichtbare Makel, aber ohne Seele. Die erste Nacht, in der sie aufhörte, mich zu berühren, war nach der Beerdigung unseres Sohnes Matthias. Matthias war neun Jahre alt. Ein schlecht behandeltes Fieber. Ein überfülltes Krankenhaus. Eine Entscheidung, wegen der ich mir niemals verzeihen werde. In jener Nacht legte sich Sabine wortlos ins Bett. Ich versuchte, sie im Arm zu halten. Sie verkrampfte sich. Sanft, aber bestimmt schob sie meine Hand weg. „Nein“, flüsterte sie. „Jetzt nicht.“ Dieses „Nein“ blieb in der Luft hängen… und es verschwand nie wieder. Aus Tagen wurden Wochen. Aus Wochen wurden Jahre. Wir schliefen Seite an Seite, aber jeder von uns war allein. Manchmal, in den frühen Morgenstunden, hörte ich sie leise weinen. Ich tat so, als ob ich schliefe – nicht, weil es mir egal gewesen wäre, sondern weil ich nicht wusste, wie ich nach ihr greifen sollte, ohne ihr noch mehr wehzutun. Ich dachte ans Gehen. Viele Male. Aber irgendetwas hielt mich dort. Schuldgefühle. Liebe. Angst. Vielleicht alles zusammen. Eines Nachts, nach so vielen Jahren, wagte ich es endlich, den Mund aufzufachen. „Sabine… wie lange wollen wir noch so leben?“ Sie drehte sich nicht um. Ihre Stimme war ganz leise und fern. „So wie wir leben… ist das das Einzige, was mir noch geblieben ist.“ „Hasst du mich?“ Sie brauchte eine Weile, um zu antworten. „Nein“, sagte sie. „Aber ich kann dich auch nicht berühren.“ Ihre Worte verletzten mich tiefer als jede Beleidigung.


















































