TEIL 3
Drei Wochen vergingen. Clara konzentrierte sich auf ihre Genesung, die Arzttermine und die Vorbereitung auf die Geburt ihrer Kinder. Doch die Einsamkeit blieb. Eines Abends, nach einem weiteren beängstigenden gesundheitlichen Rückschlag, starrte sie auf Ethans Visitenkarte. Fast eine Stunde lang rang sie mit sich, ob sie anrufen sollte. Schließlich nahm sie das Telefon. Es klingelte zweimal, dann wurde die Verbindung hergestellt. „Clara.“ Sie blinzelte. „Sie haben meine Nummer gespeichert?“ „Ich habe gehofft, dass Sie anrufen würden.“ Seine Antwort überrumpelte sie. Für einen Moment sprach keiner von beiden. Dann räusperte sich Clara. „Ich wollte mich bei Ihnen für Ihre Hilfe bedanken.“ „Sie müssen mir nicht danken.“ Seine Stimme war warm und aufrichtig. „Wie geht es Ihnen vieren?“ Clara hielt den Atem an. Ihnen vieren. Niemand hatte sie und die Babys jemals mit einer solchen Herzlichkeit im selben Satz erwähnt. Nicht einmal Rainer. Diese einfache Frage trieb ihr unerwartete Tränen in die Augen. „Wir schlagen uns durch“, sagte sie leise. „Gut.“ Das Gespräch dauerte fast eine Stunde. Sie sprachen über Genesung, Familie, Verlust und zweite Chancen. Ethan stellte keine aufdringlichen Fragen. Er kritisierte Rainer nicht. Er hörte einfach zu. Und zum ersten Mal seit Monaten fühlte sich Clara gesehen. In den folgenden Wochen wurden ihre Gespräche häufiger. Manchmal sprachen sie über praktische Dinge. Manchmal teilten sie Erinnerungen. Manchmal saßen sie einfach in angenehmem Schweigen beieinander. Langsam begann die Last, die Clara getragen hatte, leichter zu werden. Unterdessen zeigte Rainers scheinbar perfektes neues Leben bereits Risse. Die Aufmerksamkeit, die er einst genossen hatte, verwandelte sich in kritische Beobachtung. Geschäftspartner stellten sein Urteilsvermögen infrage. Investoren bemerkten die negative Publizität rund um sein öffentliches Image. Gerüchte machten die Runde, dass in seiner Ehe nicht alles so perfekt war, wie es im Internet den Anschein hatte. Aber Clara verfolgte die Schlagzeilen nicht mehr. Zum ersten Mal seit der Unterzeichnung dieser Scheidungspapiere konzentrierte sie sich auf die Zukunft statt auf die Vergangenheit. An einem verregneten Abend stand sie am Fenster von Emmas Reihenhaus und blickte auf die Lichter der Stadt in der Ferne. Drei winzige Tritte drückten gegen ihren Bauch. Clara lächelte. „Es ist alles gut“, flüsterte sie. „Es wird alles gut werden.“ Der Weg vor ihr blieb ungewiss. Die Wunden des Verrats waren noch nicht vollständig verheilt. Doch etwas hatte sich verändert. Die Angst, die einst ihr Leben beherrscht hatte, schwand. An ihre Stelle traten Entschlossenheit, Widerstandskraft und ein zartes, aber wachsendes Gefühl der Hoffnung. Und irgendwo auf der anderen Seite des Landes blickte Ethan Carter auf sein Telefon, nachdem er ein weiteres Telefonat mit Clara beendet hatte. Zum ersten Mal seit vielen Jahren lächelte auch er. Keiner von ihnen wusste, was die Zukunft bringen würde. Aber beide spürten dasselbe. Manchmal ist das Ende eines Kapitels einfach der Beginn von etwas weitaus Besserem.



















































