TEIL 3
„Herr Alexander!“ „Guten Abend, Clara.“ Die Frau blickte zu Valerie, dann zu Sophie. Ihr Gesichtsausdruck wurde sofort weich. „Ich habe ihn seit Jahren nicht mehr so lächeln sehen…“ Alexander räusperte sich verlegen. „Clara, bitte bereite ein Zimmer für die beiden vor.“ Die Frau lächelte herzlich. „Mit Vergnügen.“ In jener Nacht, während Valerie Sophie badete, hörte sie Stimmen aus Alexanders Arbeitszimmer. Die Tür war nicht ganz geschlossen. Sie hatte nicht die Absicht zu lauschen. Doch die Worte erreichten sie trotzdem. „Chef, wir haben mit den Nachforschungen über Andreas Sauer begonnen.“ „Und?“ „Er hat Schulden von mehr als vier Millionen Euro.“ Alexander sagte nichts. „Wir haben außerdem mehrere Anzeigen wegen Betrugs gefunden.“ „Weiter.“ „Da ist noch etwas…“ Der Sicherheitschef legte eine Mappe auf den Schreibtisch. „Wir glauben, dass die Scheidung von Frau Valerie bereits vor über einem Jahr geplant war.“ Alexander blickte auf. „Erklären Sie das.“ „Andreas hat Scheinfirmen gegründet. Er hat Immobilien übertragen. Er hat Geld beiseitegeschafft. Und es sieht so aus, als ob er mit mehreren Anwälten zusammengearbeitet hat, um ihr so gut wie gar nichts zu hinterlassen.“ Alexander öffnete die Mappe langsam. Während er die Seiten umblättere, wurde sein Gesichtsausdruck immer kälter. Dann hielt er bei einer Fotografie inne. Sie zeigte Valerie, wie sie Dokumente unterschrieb. Lächelnd. Völlig ahnungslos, dass die Papiere vor ihr ihr eigenes Vermögen absaugten. Alexander schloss die Mappe mit einem harten Knall. „Er hat sie nicht nur hintergangen.“ „Nein, mein Herr.“ „Er hat sie ausgeraubt.“ „Exakt. Und wir glauben, dass hinter all dem etwas noch Schlimmeres stecken könnte.“ Am nächsten Morgen schreckte Valerie aus dem Schlaf auf. Sie hatte draußen ein Geräusch gehört. Vorsichtig, um Sophie nicht zu wecken, stand sie aus dem Bett auf und ging zum Fenster. Da stockte ihr der Atem. Ein grauer Wagen stand direkt gegenüber dem Haupttor geparkt. Dasselbe Modell, das Andreas fuhr. Die Scheinwerfer waren ausgeschaltet. Aber jemand darin beobachtete das Haus. In diesem Moment klingelte ihr Handy. Unbekannte Nummer. Mit zitternden Fingern nahm sie den Anruf entgegen. Die Stimme am anderen Ende war diejenige, von der sie geschworen hatte, sie nie wieder hören zu wollen. „Guten Morgen, Valerie.“ Sie fror ein. „Andreas…“ Er lachte leise. „Ich weiß, wo du bist.“ Valerie blickte zurück zum Wagen. Ihre Knie gaben fast nach. „Du kannst dich nicht ewig hinter diesem Geschäftsmann verstecken.“ Sie versuchte, das Gespräch zu beenden. Doch Andreas sprach weiter. And seine letzten Worte ließen ihr das Blut in den Adern gefrieren. „Morgen hole ich meine Tochter… und noch etwas, das Alexander Montenegro jetzt noch nicht weiß.“ Das Gespräch wurde beendet. Valerie stand regungslos da. Sie verstand nicht, was er damit meinte. Doch auf der anderen Seite des Flurs hatte Alexander alles mitgehört. Und zum ersten Mal seit Jahren wurde ihm klar, dass das Treffen im Flugzeug kein einfacher Zufall gewesen war. Jemand hatte seit Monaten die Figuren in einem viel größeren Spiel bewegt. Nun waren er und Valerie mitten in das Zentrum einer Verschwörung hineingezogen worden, in der es um Millionen von Euro, familiären Verrat und ein Geheimnis ging, das mächtig genug war, um mehr als eine von Deutschlands einflussreichsten Familien zu zerstören.


















































