Valerie sah bitteschön dasselbe Segment auf einem alten Fernseher mit einem rissigen Bildschirm. Alissa sah strahlend aus. Erik stand neben ihr, ruhig und hingebungsvoll. Das Leben, das Valerie zu kontrollieren versucht hatte, war ohne sie aufgeblüht.
Valerie schaltete den Fernseher aus.
Zum ersten Mal seit Jahren war es im Zimmer still genug, als dass Reue wie die Wahrheit klingen konnte.
Zurück im Lindner-Turm endete die Eröffnungsparty kurz vor Mitternacht. Die Gäste gingen mit Geschenktüten und überschwänglichen Komplimenten. Das Personal räumte die Champagnergläser ab. Die Jazzband packte ihre Instrumente ein.
Alissa und Erik traten auf die Dachterrasse.
Der Stadtwind war kühl. Die deutsche Flagge über dem Nachbargebäude bewegte sich sanft gegen den Nachthimmel.
Erik zog sein Sakko aus und legte es über Alissas Schultern.
„Denkst du jemals an diese Reise?“, fragte er.
Alissa blickte zur Skyline.
„Manchmal.“
„Ich hasse es, dass es passiert ist.“
„Ich nicht“, sagte sie.
Er drehte sich überrascht zu ihr um.
Alissa lächelte schwach. „Ich hasse, was sie getan haben. Aber ich hasse nicht, was ich gelernt habe. Ich habe gelernt, dass ich gehen kann. Ich habe gelernt, dass ich nicht von Menschen ausgewählt werden muss, die entschlossen sind, mich zu missachten. Und du hast gelernt, wie man an meiner Seite steht.“
Erik nahm ihre Hand.
„Ich werde den Rest meines Lebens damit verbringen, dort zu stehen.“
Sie lehnte sich an ihn.
Unter ihnen bewegte sich Frankfurt weiter in Gold und Glas, voller Menschen, die Liebe, Status, Vergebung, Geld, Rache und zweiten Chancen hinterherjagten. Alissa hatte einst geglaubt, Überleben bedeute, Grausamkeit mit Würde zu ertragen. Jetzt verstand sie, dass Würde auch bedeuten konnte, sich umzudrehen, seinen Koffer zu nehmen und wegzugehen, bevor irgendjemand die Genugtuung bekam, einem beim Zerbrechen zuzusehen.
Valerie hatte ihr gesagt, es gäbe keinen Platz.
Also fand Alissa einen besseren.
Und in diesem besseren Platz baute sie ein Imperium auf, rettete ihre Ehe und wurde zu der Art von Frau, die niemand, der ganz bei Trost ist, jemals wieder bitten würde, in einer Lobby zu schlafen.


















































