Ich dachte, ich wäre für sie in dem Moment gestorben, als meine Unterschrift auf den Versicherungsformularen getrocknet war. Doch als ich auf meinen eigenen Namen starrte, der auf einem teuren Trauerprogramm gedruckt war, setzte sich ein Gedanke ganz ruhig in meinem Kopf fest. Sie hatten etwas Einfaches vergessen.
Feuer friert nicht.
Der Geruch von Kiefernöl und Waffenreiniger folgte mir immer nach Hause und haftete an meiner Haut wie eine zweite Uniform. Er hatte absolut nichts mit dem süßen Vanilleduft zu tun, mit dem Gereon unser Haus ständig füllte. Ich war gerade von der Ausbildung der Bundeswehr-Rekruten bei unbarmherzigen Winter-Überlebensdrills zurückgekehrt, als ich Stimmen aus der Küche hörte. Gereon flüsterte. „Wir brauchen nur noch die endgültige Bestätigung ihres Kommandeurs. Sobald sie im Harz von der Bildfläche verschwunden ist, wird der Papierkram ein Kinderspiel sein.“
Eine andere Stimme antwortete. Klaus, mein Stiefbruder. Derselbe Mann, der jahrelang meine militärische Karriere verspottet hatte, während er auf Kosten aller anderen lebte.
Ich trat in die Küche. Gereon schrak zusammen und schob sein Telefon in die Tasche. „Mareike, Liebling“, sagte er und erzwang ein Lächeln. „Du bist früh zu Hause. Klaus und ich haben gerade über Steuern gesprochen.“ Seine Worte klangen glatt, aber sein Körper verriet ihn. Schweiß an den Schläfen. Angespannte Schultern. Augen, die nach einem Ausweg suchten. „Warum sollte Klaus für die Steuern die Bestätigung meines Kommandeurs brauchen?“, fragte ich. Gereon lachte auf diese herablassende Art, die ich hassen gelernt hatte. „Du kümmerst dich um die Wildnis, Schatz. Lass mich das Geld regeln. Ich habe eine aktualisierte Vollmacht auf dem Schreibtisch liegengelassen. Unterschreib sie, bevor du zum Training aufbrichst. Das macht die Sache einfacher, während du weg bist.“ Ich warf einen Blick auf den braunen Umschlag auf dem Schreibtisch. Eine kalte Vorahnung durchfuhr mich. Ich wollte meinem Ehemann vertrauen. Doch als ich den Umschlag aufhob, streifte mein Daumen etwas Wachsartiges. Auf der Rückseite befand sich ein knallroter Lippenstiftabdruck. Nicht meiner. Der von Amelie Müller. Gereons wohlhabender Mandantin. Die Puzzleteile fügten sich schnell zusammen – seine Geheimniskrämerei, seine plötzliche Eile, die Finanzpapiere, die Art, wie er mich anlächelte, als wäre ich bereits weg. Dennoch verstand ich damals noch nicht, wie weit sein Verrat wirklich ging. Eine Woche später nannte Gereon eine Reise in den Harz ein „Jahrestags-Wochenende“. Er sagte, er wolle unsere Ehe retten. Er fuhr uns tief in die Berge, zu einer alten Hütte der Familie, weit weg von der nächsten Straße. In dem Moment, als ich eintrat, schlug die Tür hinter mir zu. Ich drehte mich um und rannte dagegen, aber der Knauf bewegte sich nicht. Dann hörte ich das schwere Scharren eines Vorhängeschlosses von außen. „Gereon!“, schrie ich. „Mach die Tür auf!“ Durch das frostige Fenster sah ich ihn auf der Veranda stehen. Er war nicht allein. Amelie stand in einem weißen Pelzmantel neben ihm und lächelte mit denselben roten Lippen.


















































